Erfahrungen #5

   
       

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IG »13. 2.1945«

Erfahrungen

Teil 5

 

2003/2004: Gemeinschaft der Zeitzeugen

Die Veranstaltungstätigkeit der Interessengemeinschaft zu den Jahrestagen der Zerstörung Dresdens konzentrierte sich seit 2000 auf das gemeinsam mit anderen Vereinen und Einrichtungen vorbereitete »GeDenken« auf dem Altmarkt. Jeder dieser Veranstaltungen gingen intensive Diskussionen zu aktuellen Fragen von Krieg und Gewalt voraus.

Am Anfang des Jahres 2003 wurden diese von einem drohenden Krieg im Irak bestimmt. In der großen Sorge über das für die Menschen im Irak befürchtete Leid beschlossen die Mitglieder des Vereins, das moralische Gewicht der Zeugenschaft von Gewalt und Zerstörung für einen Appell gegen diesen Krieg zu nutzen. Durch die Vermittlung von Juan Gutierrez gelang es sehr kurzfristig, mit Überlebenden des Bombardements von Gernika eine gemeinsame Erklärung auszuarbeiten und die Reise einer Delegation aus Gernika nach Dresden zu organisieren. In einer überaus bewegenden Pressekonferenz in der Unterkirche der Frauenkirche sprachen am 13. Februar 2003 mehr als 20 Zeitzeugen der Bombardierung Dresdens und Gernikas über ihre persönlichen Beweggründe, sich gegen diesen Krieg zu wenden. Beim abendlichen »GeDenken« auf dem Altmarkt wurde der gemeinsame Text der Zeitzeugen von den versammelten Dresdnern mit langem Beifall begrüßt.

Eindringlich erinnerten die Zeitzeugen in ihrer Erklärung an das eigene Kriegserleben: »Wir wissen was Krieg wirklich bedeutet – jenseits der Fernsehbilder.« Ihre Solidarität gilt den Opfern von Krieg und Terror in aller Welt. Leidenschaftlich lehnten sie den neuerlichen Krieg ab.

Das gemeinsame Engagement festigte die Verbindung zwischen den Zeitzeugen in Gernika und Dresden. Erneut wurde deutlich, wie wichtig Erinnerung für die Gestaltung der Zukunft ist. Die Erfahrung von Krieg, Gewalt und Leid – aber auch von Hoffnung, Versöhnung und Frieden – kann über die moralische Autorität der Zeitzeugen vermittelt und zur gestaltenden Kraft werden.

Während des Jahres 2003 versuchte der Verein folgerichtig, Verbindungen zu Menschen an anderen Orten aufzubauen, die ähnlich Dresden von symbolischer Bedeutung für die Erinnerung an Krieg und Gewalt sind. Neben ersten Kontakten nach St. Petersburg war es erneut Juan Gutierrez, der eine Verbindung zu Zeitzeugen in Israel und Palästina, sowie zu einer Gruppe engagierter Angehöriger der Opfer des 11. September 2001 in den USA vermittelte.

So wurde es möglich, aus Anlass des 13. Februar 2004 fünf Zeitzeugen aus Gernika, New York, Israel, Palästina und Dresden um eine persönliche Botschaft an die Dresdner zu bitten. Die Botschaften machten vor allem die Hoffnung oder Erfahrung der Absender deutlich, dass es möglich ist, Krieg und Gewalt zu überwinden, Verständigung und Versöhnung zu erreichen. Dresdner Schüler setzten sich mit diesen Texten auseinander und übermittelten sie den Dresdnern am Abend des Jahrestages in der »GeDenken«-Veranstaltung auf dem Altmarkt.

Die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre bekräftigen das Fundament der Friedensarbeit des Vereins: Es soll nun verstärkt angeknüpft werden sowohl an das gemeinsame Engagement von Betroffenen in aller Welt als auch an den Dialog über Generationsgrenzen hinweg.

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Stand: Januar 2004