2003/2004: Gemeinschaft
der Zeitzeugen
Die Veranstaltungstätigkeit der Interessengemeinschaft zu
den Jahrestagen der Zerstörung Dresdens konzentrierte sich
seit 2000 auf das gemeinsam mit anderen Vereinen und Einrichtungen
vorbereitete »GeDenken« auf dem Altmarkt. Jeder dieser
Veranstaltungen gingen intensive Diskussionen zu aktuellen Fragen
von Krieg und Gewalt voraus.
Am Anfang des Jahres 2003 wurden diese von einem drohenden Krieg
im Irak bestimmt. In der großen Sorge über das für
die Menschen im Irak befürchtete Leid beschlossen die Mitglieder
des Vereins, das moralische Gewicht der Zeugenschaft von Gewalt
und Zerstörung für einen Appell gegen diesen Krieg zu
nutzen. Durch die Vermittlung von Juan Gutierrez gelang es sehr
kurzfristig, mit Überlebenden des Bombardements von Gernika
eine gemeinsame Erklärung auszuarbeiten und die Reise einer
Delegation aus Gernika nach Dresden zu organisieren. In einer überaus
bewegenden Pressekonferenz in der Unterkirche der Frauenkirche sprachen
am 13. Februar 2003 mehr als 20 Zeitzeugen der Bombardierung Dresdens
und Gernikas über ihre persönlichen Beweggründe,
sich gegen diesen Krieg zu wenden. Beim abendlichen »GeDenken«
auf dem Altmarkt wurde der gemeinsame Text der Zeitzeugen von den
versammelten Dresdnern mit langem Beifall begrüßt.
Eindringlich erinnerten die Zeitzeugen in ihrer Erklärung
an das eigene Kriegserleben: »Wir wissen was Krieg wirklich
bedeutet – jenseits der Fernsehbilder.« Ihre Solidarität
gilt den Opfern von Krieg und Terror in aller Welt. Leidenschaftlich
lehnten sie den neuerlichen Krieg ab.
Das gemeinsame Engagement festigte die Verbindung zwischen den
Zeitzeugen in Gernika und Dresden. Erneut wurde deutlich, wie wichtig
Erinnerung für die Gestaltung der Zukunft ist. Die Erfahrung
von Krieg, Gewalt und Leid – aber auch von Hoffnung, Versöhnung
und Frieden – kann über die moralische Autorität
der Zeitzeugen vermittelt und zur gestaltenden Kraft werden.
Während des Jahres 2003 versuchte der Verein folgerichtig,
Verbindungen zu Menschen an anderen Orten aufzubauen, die ähnlich
Dresden von symbolischer Bedeutung für die Erinnerung an Krieg
und Gewalt sind. Neben ersten Kontakten nach St. Petersburg war
es erneut Juan Gutierrez, der eine Verbindung zu Zeitzeugen in Israel
und Palästina, sowie zu einer Gruppe engagierter Angehöriger
der Opfer des 11. September 2001 in den USA vermittelte.
So wurde es möglich, aus Anlass des 13. Februar 2004 fünf
Zeitzeugen aus Gernika, New York, Israel, Palästina und Dresden
um eine persönliche Botschaft an die Dresdner zu bitten. Die
Botschaften machten
vor allem die Hoffnung oder Erfahrung der Absender deutlich, dass
es möglich ist, Krieg und Gewalt zu überwinden, Verständigung
und Versöhnung zu erreichen. Dresdner Schüler setzten
sich mit diesen Texten auseinander und übermittelten sie den
Dresdnern am Abend des Jahrestages in der »GeDenken«-Veranstaltung
auf dem Altmarkt.
Die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre bekräftigen das
Fundament der Friedensarbeit des Vereins: Es soll nun verstärkt
angeknüpft werden sowohl an das gemeinsame Engagement von Betroffenen
in aller Welt als auch an den Dialog über Generationsgrenzen
hinweg.

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