Am 12. Januar 1945 traf der 22-jährige Kurt Vonnegut, Bataillions-Aufklärer in der US-amerikanischen 106. Infanteriedivision, als deutscher Kriegsgefangener in Dresden ein. Er gehörte dem Arbeitskommando 557 des Lagers Stalag IVB Mühlberg an, dass in der Dresdner Rüstungsproduktion eingesetzt wurde. Die amerikanischen Kriegsgefangenen wurden in einem der Gebäude des Dresdner Schlachthofes im Ostragehege untergebracht: Schlachthof 5. Im Keller dieses Gebäudes überlebten sie die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945. Im Schlachthof entstanden schwere Schäden; einige Gebäude brannten mehrere Tage lang.
»Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug«, so betitelte Vonnegut 24 Jahre später, 1969, seinen Roman, der zu einem Kultbuch avancieren sollte und ihn zu einem der bekanntesten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts werden ließ. Um das zentrale Ereignis der Zerstörung Dresdens herum arrangierte Vonnegut eine bizarre Collage aus Assoziationen, Fakten und Fiktionen. Die irrwitzige Realität des Krieges wird ohne Helden und ohne Glorie in grellem Witz und sarkastischen Slapstick dargestellt.
Der Roman ist dabei Teil der komplexen Geschichte des Umgangs mit dem historischen Ereignis des 13. Februar 1945. In Vonneguts Darstellung erscheint Dresden als vom Krieg völlig unberührte Stadt in märchenhafter Verklärung. Der Roman folgt damit – ohne dass Vonnegut dies deutlich gewesen wäre – den Auslassungen der nationalsozialistischen Propaganda im Frühjahr 1945, die Dresdens militärische Bedeutung bewusst verschwiegen hatten. Seine weltweite Verbreitung in Millionenauflagen festigte dieses Erzählbild.