13. Februar 2005:
»GeDenken« – Texte

   
       

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Botschaft aus dem Sudan an Dresden

„Al-Salam Aleikum – Friede sei mit Euch!“

Ich komme aus dem Sudan.
In meinem Land wurde 1955 ein Krieg angefangen.
Ein Krieg, der heute immer noch tobt.
Dieser Krieg, der im Süden des Landes begann, gebar einen zweiten Krieg im Westen und nun auch einen dritten Krieg im Osten meines Landes.

Mehrere Generationen sind – wie ich auch – im Krieg geboren und im Krieg aufgewachsen.
Sie kennen nichts, außer den Krieg: Das Grauen der Bomben und des Feuers, das Grauen von Vergewaltigung, Raub und Versklavung, das Grauen des Mordens und des Folterns, das Grauen des Genozids sind der Alltag in meinem Land.

Mehr als 3 Millionen Menschen sind während dieser 50 Jahre Krieg umgekommen.
Mehr als 6 Millionen Menschen sind auf der Flucht.
Und Millionen sind am verhungern.
Auch jetzt, in diesem Moment, in dem ich zu Euch hier in Dresden spreche, sterben, flüchten und verhungern Männer, Frauen und Kinder in meinem Land.
Niemand vermag zu sagen, wie viele es sind, denn unaufhaltsam werden es mehr:
Wieviele Familien sind zerstört und verstreut.
Wieviele Träume nicht geträumt,
Wieviele Schlaflieder nicht gesungen.
Wieviele Pflanzen nicht gepflanzt und geerntet,
Wieviele Tiere sinnlos umgebracht,
Wieviele Wälder einfach vernichtet,
Wieviele Städte und Dörfer, wie viele Straßen, Brücken und Brunnen zerstört.
Wieviele Bodenschätze wurden nicht geborgen und
Wieviel Wasser und Luft wurden verschmutzt.
Wieviele ... und wie viel mehr...

Heute ist ein Tag des Erinnerns, des Gedenkens und vor allem des Mahnens, für Euch und für mich.

Und ich kann denjenigen in Dresden sagen, die mich verstehen wollen:
Ich erinnere mich immer an den Krieg und die Opfer der Gewaltherrschaften:
in ihrem Land,
in meinem Land,
in anderen Ländern.
Und ich protestiere gegen das Vergessen und gegen den Krieg.
Aber der Protest gegen den Krieg setzte die Fähigkeit des Menschen voraus,
den Krieg als selbstverschuldetes Übel, als eine vermeidbare Gewalttat zu erkennen.
Deswegen bin ich heute nach Dresden gekommen:

Lasst uns gemeinsam in Versöhnung üben!
Lasst uns gemeinsam gegen Gewalt und Unrecht eintreten!
Lasst uns gemeinsam einen gerechten Frieden schaffen!

„Friede sei mit Euch – Al-Salam Aleikum!“

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Überbracht von Osman Saeed

 

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