Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Dresdnerinnen und Dresdner,
heute vor 60 Jahren traf Dresden ein ähnliches Schicksal,
wie es Ham-burg im Sommer 1943 mit der Operation Gomorrha erleben
musste.
Die Bombardements legten beide Städte in Trümmer. Die
vielen Opfer, das unermessliche Leid – wir erinnern uns mit
Grauen.
Dresden und Hamburg verbindet ihr gemeinsames historisches Schick-sal.
Wenn man sich das Leid der Menschen und die unsägliche Zerstö-rungen
vor Augen hält, ist es kaum zu glauben, dass beide Städte
wie-der auferstehen konnten. Noch heute sind städtebauliche
Narben er-kennbar. Wir sehen aber auch die Ergebnisse immenser Aufbauleistun-gen
in beiden Städten, getragen durch den Mut und die Kraft der
Men-schen zum Neubeginn.
Die Botschaft des gemeinsamen Erinnerns an ein verbindendes Schick-sal
und der damit einhergehenden Mahnung sowie der tiefen Verbun-denheit
beschreibt auch einen Weg. Einen Weg, auf dem wir alle uns be-finden,
in Dresden wie in Hamburg, und den andere Länder mit uns ge-hen.
Dieses ist der Weg der Versöhnung. Wir leben heute in Freund-schaft
mit unseren europäischen Nachbarn und sind dankbar für
viele Zeichen der engen Verbundenheit. Denn eines dürfen wir
nicht verges-sen: Deutschland entfesselte den Zweiten Weltkrieg.
Um nicht missver-standen zu werden: Es darf nicht darum gehen, aufzurechnen,
was in deutschem Namen geschah und was Deutschen widerfuhr. Es geht
vielmehr darum, dass wir alle unser Gedenken an die Ereignisse jener
Zeit als Chance zur Zukunftsgestaltung begreifen.
Hamburg und Dresden sind einig in dem Bestreben um Aussöhnung,
To-leranz und Verständnis, weil die Erinnerung im Gedächtnis
ihrer Bewoh-ner weiterlebt, - weil wir erfahren haben, was es bedeutet,
wenn der Krieg die Dämme unserer Zivilisation einreißt.
Wir halten die Erinnerung wach. Wir erinnern uns als eindrückliche
Mah-nung zum Frieden.
Ole von Beust
Präsident des Senates und Erster Bürgermeister der
Freien und Hansestadt Hamburg

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